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Der Schiffsmodellbau Bauberichte Bauberichte Schiffe und ihre Eigner

Spreizgaffelschoner Atlantis
Baubericht von unserem Modellbaufreund Erich Kindermann

Das Original wurde 1935 gebaut und ist ein 28 m langer Spreizgaffelschoner. Die besondere Art der Besegelung unterscheidet ihn von den weit verbreiteten Schiffstypen seiner Zeit.

Technische Daten:
Höhe ca.: 1730mm
Länge ca.: 1380mm
Tiefgang: 240mm
Segelfläche mit Genua: ca. 114 dm2
Breite ca.: 340mm
Masthöhe: 1420mm
Gesamtverdrängung ca.: 17500g


„Als langjähriger Schiffsmodellbauer, der eigentlich nur auf Arbeitsschiffe fixiert war, gönnte ich mir Anfang 2007 mal eine Abwechslung. Schon früh interessierte mich der Spreizgaffelschoner Atlantis der Firma Robbe. Nun war es an der Zeit, mir diesen Wunsch zu erfüllen. Nach dem Eintreffen von Bausatz, Holzbeschlagsatz und Ballastkiel konnte das Vergnügen beginnen.“

Der erste Schritt war der Ständerbau. Aus 12 mm starkem Multiplex-Sperrholz habe ich die beiden Ständerseiten ausgesägt und den Angaben nach auf der Grundplatte befestigt.
Nach dem Lackieren mit Klarlack konnte ich den Rumpf zum Anpassen in den Ständer setzen.
Die Stanzteile aus ABS habe ich ausgeschnitten und dem Bauplan nach gekennzeichnet, gebohrt und geschliffen.
Mit dem aus der Zeichung und Baubeschreibung vorgegebenem Einbau eines Hilfsantriebes war ich nicht einverstanden. Ein Loch ins Heck schneiden und einen Außenbordmotor einbauen war nicht mein Ding. Wer schneidet schon gerne Löcher in den Rumpf? Ich machte mir Gedanken und fertigte ein Stevenrohr mit Welle auf der Drehbank an. Gleichzeitig baute ich eine Motorhalterung. Diese passte ich dann in einer Flucht mit dem Rumpf an.
Anschließend fräste ich das Ruderblatt und den Rumpf etwas aus. Nach diesen Arbeiten konnte ich eine 50 Millimeter Durchmesser Messing-Schraube gut einbauen.Trotz der großen Schiffsschraube war der Ruderausschlag ok. Das Ruderblatt stieß nicht vor die eingebaute Schiffsschraube.

Die Verstärkung der Schiffsdecksstabilisierung war kein Problem und ließ sich gut einbauen. Die Bug- und Heckverstärkungen sind auch gleichzeitig die Halterungen für die Umlenkrollen der Schotführung. Für die Segelwinde baute ich eine Konsole. Auf dieser kann ich sie mit 4 mm Schrauben und Winkel im Schiffsrumpf befestigten, so kann man sie immer wieder ein- und
ausbauen.

Die Schotführung baute ich so wie Robbe es vorschlug.
Die Beplankung des Decks ging zügig voran. Mit dem Kunststoffkleber Ruderer L530 klebte ich Holz und Kunststoff mühelos zusammen. Der Plakenabstand betrug 0,5mm den ich nachher mit verdünntem Mahagoni-Holzkitt wieder verfüllte. Dazu benutzte ich eine Injektionsspritze mit einer größeren Kanüle.
Nach der Trockenzeit (ca. 24 Stunden) schliff ich das Deck mit einem Schleifklotz so lange, bis eine glatte Oberfläche entstand. Mit einem feuchten Lappen reinigte ich das Deck vom Schleifstaub. Der Porenfüller und Schleifgrund (Clou) wurde mit einem weichen Pinsel aufgetragen. Nach dem Trocknen schliff ich die Oberfläche wieder an und entfernte abermals den Schleistaub.
Mit einer kleinen Bohrmaschine bohrte ich nun die Löcher für die Reelingstützen 1,5 mm, Schotdurchführungen 3 und 4 mm und Wantenösen 2,5mm. Die Maße für Position und Abstand entnahm ich der Zeichnung. Die Reelingstützen setzte ich noch nicht ein. Der nächste Schritt war die Anbringung des Schanzkleides. Nach Zeichnungmaß bohrte ich die Löcher für den Wasserablauf und fräste sie dann als Langlöcher aus. Mit Sekundenkleber fixirte ich es an den Rumpf. Die Passgenauigkeit war super und ich konnte es nun richtig befestigen. Den Spalt zwischen Deck und Schanzkleid spachtelte ich mit verdünntem Mahagonispachtel aus.
Nun mußte ich etwas kleineres bauen. Aus der Zeichnung kopierte ich das Nagelbrett 1:1 und klebte dieses auf ein kleines Baubrett. Die Mahagonileisten 2x10 mm legte ich auf die Zeichnung und klebte sie zusammen. Nach dem Trocknen des Klebers schliff ich die Form laut Zeichnung. Ins Nagelbrett bohrte ich die angegebenen Löcher. Die Messing-Röhrchen und -Schrauben, an denen ich den Schraubenkopf entfernte, lötete ich weich zusammen und setzte sie laut Zeichnung in die angegebenen Stellen.
Der nächste Schritt war das Bohren der Masten und Bäume. Die Maße der einzelnen Bohrungen entnahm ich aus der Zeichnung. Um die Bohrungen gerade durch den Mast zu bekommen, baute ich mir eine Bohrschablone. Nach der Naßübernahme bohrte ich die Löcher mit einem Zetrierbohrer vor.

Die Wantenbohrungen musste ich mit einer Rundfeile in Längsrichtung oval auffeilen, so dass die Wanten in dem richtigen Winkel aufs Deck trafen.
Zum ersten Aufstellen der Masten baute ich mir eine Helling.
Da alle Mastbefestigungen laut Zeichnung auf der Helling übertragen waren, konnte ich die Wantenspanner schon richtig setzen und alle Stahllitzen auf Maß abschneiden.

Die Herstellung aller Aufbauten wie Steuerstand, Kajüteneingang und die Bugluke machte mir als Holzwurm sehr viel Spaß. Das Edelholz aus dem Holzbeschlagsatz war super vorgestanzt und brauchte nur kurz beschliffen werden. Mit dem Kleber 540 konnte ich das Holz auf die tiefgezogenen Aufbauten geklebt werden. Natürlich hatte ich die Kunststoffteile vorher gut angeschliffen. Die Kanten der Aufbauten beklebte ich mit den Resten der Planken, so dass ich immer eine saubere Kante herstellen konnte.

Nach dem Trocknen des Klebers bohrte ich die Löcher für die Bullaugen mit hilfe eines Konusbohrers (Drillfill) in die Aufbauten.
Die Bullaugen, Positionslampen und andere Messingteile entnahm ich aus dem mitgelieferten Beschlagteilen.
Da ich der Mechaniker und Holzwurm in unserem Verein bin und von Elektrik sehr wenig Ahnung habe, holte ich mir von einem Vereinskollegen Unterstützung.

Für meinen Freund Friedhelm war es kein Problem, die Verkabelung des Fahreglers, sowie den Zweikanalschalter für die Positionsbeleuchtung anzufertigen. Der Segelwindenweg wurde direkt an der Winsch vorgenommen.

An meiner Fernsteuerung (MC12) war der linke Steuerknüppel für die Segelverstellung.
Steuerknüppel hinten: alle Segel offen.
Schiebe ich den Steuerknüppel nach vorne, hole ich alle Segel dicht. Den Weg, den wir für die Segelverstellung brauchten, betrug ca. 40 cm. Das hatten wie ja vorher an der Winsch eingestellt.

Karabinerhaken wurden ans Ende der Schoten geknotet, die ich schnell und einfach in Bäume und Spreitzgaffel einklinken konnte.


An der Fernsteuerung nahm ich den rechten Steuerknüppel zum vorwärts und rückwärts fahren. Knüppel vor und zurück, Knüppel nach rechts und links für die Steuerung des Ruders.
Die Positionslampen werden durch die Zusatzschalter ein- und ausgeschaltet.

Die Lackierung machte mir sehr viel Spaß.
Nachdem ich den Rumpf mit 600er Wasserschmiergel beschliffen hatte, klebte ich die Wasserlinie mit Linienband ab.

Das Deck, das ich schon mit Bootslack fertig lackiert hatte, wurde dicht mit Papier abgeklebt, so dass kein anderer Farbnebel die Fläche mehr zerstören konnte. Übrigens lackierte ich den Bootslack mit einer handelsüblichen Schaumgummirolle.

Nun kam auf das Unterschiff meiner Atlantis ein seidenmattes Dunkelblau.

Das zweite Abkleben war für die 3mm breite schwarze Trennlinie zwischen Unterwasserschiff und Oberschiff.

Das 3. Abkleben versteckte nun Unterschiff und Trennlinie.

Mit einem seidenmatten Altweiß wurde der Rumpf fertiglackiert.

Nach der Trockenzeit entfernte ich alle Abklebungen bis auf das Deck. Übrigens kamen alle Farben aus der Dose.

Nun schliff ich mit einem Schleiftuch den kompletten Rumpf fein ab. Mit einem seidenmatten Klarlack versiegelte ich nun den ganzen Schiffsrumpf.

Nach dem Trocknen und Entfernen der Abklebungen fand ich meinen Rumpf super!

Die Reelingsstützen verlötete ich mit mit einem Lötkolben weich und polierte sie anschließend mit Schleifpaste.
Den Namenszug Lara Fiona (Enkelkind) ließ ich mir bei einem Reklamehersteller anfertigen.
Es ist fast geschafft!

Die Masten wurden gestellt und die Segel gesetzt. Ich fand, es ist ein super Schiff geworden.

Einige Funktionsprüfungen wie Segelstellungen auf und zu, Ruder rechts und links, Motor vor und zurück, Positionslampen an und aus waren zur vollen Zufriedenheit.

Jetzt mußte ich nur noch das Beiboot und die Gaffs anfertigen sowie die Details auf dem Schiff anbringen.

Da muß ich mir aber noch etwas Zeit lassen.

Warum??

Am 26.09.2010 feiert mein Verein sein 25-jähriges Bestehen mit einem großen Hafenfest im Freibad Bochum-Werne.

Zu diesem Anlass soll Lara Fiona (oder anders: meine Atlantis) das erste mal Wasser unterm Kiel und Sekt auf dem Deck haben.
Mit anderen Worten: es soll eine tolle Schiffstaufe werden!

Ich weiß, dass man nicht alles aufschreiben kann und ich habe bestimmt auch einiges vergessen, hier zu erwähnen.
Aber bei Fragen stehe ich gerne zu Verfügung.

Es ist durch unseren Spitmaster Friedhelm einfach gemacht worden, mein Ziel zu erreichen.

Danke für Euer Interesse
und ich verbleibe mit einem Schiff Ahoi,

Erich Kindermann

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